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Noshin Shahrokhi
Unerfüllte Träume einer Iranerin

* * *


Irmtraud Habib
Als Bastard geboren

* * *

Waltraut Freigang
Schatten
und Licht

* * *

Sybill Zweigert
Sind Sie glücklich?
 

 

 

Jede Freiheit grenzt an die Freiheit der anderen


Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
(Martin Niemöller)

Es freut mich und viele andere, dass die Menschen in Deutschland heute
nicht mehr schweigen und dass sie denjenigen, die auf Kosten einer kleinen Minderheit und mit Hilfe rassistischer Sprüche die Auflagen ihrer Bücher und ihrer Zeitungen und Zeitschriften erhöhen und damit mehr und immer mehr Geld kassieren wollen, eine Absage erteilen.

 ho ho ha ha könnte man rufen

Was kann man sagen, wenn Leute wie Sarrazin – den manche schon als „Volksheld“ betiteln – federführend in deutschen Landen werden?

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn die deutsche Intelligenzija auf das Niveau Sarrazins herabstürzt

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn jemand meint
die Muslime sind eine Rasse

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn jemand meint
die Juden haben besondere Gene
wenn jemand heute von Rassen spricht

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn jemand meint
Muslim ist gleich Islam
oder Islam ist gleich die Muslime
denn die Muslime sind Menschen
der Islam Religion

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn jemand hundert Jahre Diskussion über
die Haltlosigkeit der Rassentheorie und des Biologismus ignoriert
wenn er versucht die Menschen mit deren Begriffen zu erklären
er wird zum Affen und versteckt sich hinter dem Sozialdarwinismus

ho ho ha ha könnte man rufen
wenn jemand den Zerfall der westlichen Kultur
die Misere dieser Gesellschaften
den Muslimen in die Schuhe schiebt
oder wenn er Afrikaner, Türken, Araber, Russen oder Polen
oder Angehörige 150 anderer Nationen
für die eigene Unfähigkeit verantwortlich macht

Die Nazis hatten die Juden zum Sündenbock erkoren,
dann die Russen als Feind,
dann säuberten sie
die Gesellschaft von
Homosexuellen und Romas
Behinderten
Kommunisten
Sozialdemokraten
.......

Die Damen und Herren von heute
wollen die Muslime zum Sündenbock machen
die Freiheit zerstören
den Humanismus zertrampeln
die Demokratie vernichten
was die hochrangigen
von der ganzen Welt hoch geschätzten
europäischen Intellektuellen hervorbrachten 
auf den Müllhaufen der Geschichte werfen
dies alles im Namen der Freiheit
die sie ausnutzen
da kann man nur
ho ho ha ha rufen

Diese Leute werden keinen Erfolg haben
denn die Menschheit ist wach
sie ist stark
sie wird diese Leute mit Kritik
und angemessenen Mitteln
zur Ordnung rufen
sie wird sie auch diesmal besiegen.

M.H.Allafi
im September 2010

 


Das iranische Neujahr beginnt
mit einem lachenden Auge und einem weinenden Auge

 Die Iranerinnen und Iraner dürfen stolz sein auf das vergangene Jahr und sie werden sich im neuen Jahr sicher weiterhin für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte engagieren. Auf diesem Wege wünsche ich allen viel Glück, Erfolg und obendrein ein frohes Jahr, in dem endlich die Freiheit siegt!

 Das vergangene Jahr war ein hervorragendes Jahr in den letzten dreißig Jahren dieses Landes. Die iranische Bevölkerung hat triumphal gezeigt, dass sie nicht hinter der Schreckensherrschaft der islamischen Theokraten, sondern dem Regime aufrichtig und überzeugt gegenüber steht. Auf dem Wege des Widerstands haben zahlreiche junge Frauen und Männer ihr Leben gelassen und viele befinden sich immer noch in den Kerkern des islamischen Regimes – bedroht von der Todesstrafe. Insofern war das vergangene Jahr ein trauriges Jahr für die an den Protesten beteiligten Iranerinnen und Iraner, insbesondere für die Familien und Freunde der Inhaftierten und der Ermordeten. Und ich bin mir sicher, jede Iranerin und jeder Iraner, gleich wo sie sich befinden, fühlt sich seelisch mit diesen Menschen verbunden.

Das Frohe ist, dass die iranische Bevölkerung entlastet ist, denn sie hat entgegen der Propagandamaschinerie des islamischen Regimes der ganzen Welt gezeigt, dass sie mit diesem Regime nicht einverstanden ist und dass dieses Regime sie mitnichten vertritt. Die Machenschaften dieses Regimes, von seinem menschenverachtenden Umgehen mit der eigenen Bevölkerung bis zu gefährlichen politischen Provokationen auf der internationalen Ebene, sind und bleiben die Taten einer kleinen, äußert brutalen rechtsextremistischen Schlägertruppe im Bündnis mit dem so genannten Führer, der sich zur Durchsetzung seiner Ziele einer mafiösen politischen und Finanzstruktur bedient. Diese kleine Gruppe missbraucht die staatlichen Machtinstrumente (Polizei, Justiz…), um die Bevölkerung einzuschüchtern und ihre Kritiker mundtot zu machen. Wo der Missbrauch der staatlichen Organe zur brutalen Durchsetzung ihrer Ziele nicht ausreicht, greift sie nach illegalen Mitteln und attackiert selbst staatliche Organe, sofern sie ihr nicht ganz folgen. 

Entgegen der Illusion mancher politischen Akteure, die immer noch an die Reformfähigkeit dieses Regimes glauben möchten, ist die so genannte islamische Republik Iran heute politisch, kulturell und moralisch am Ende (und das trifft selbst für die als Moralkodex beanspruchte islamische Religion zu). Der Staat ist im Sinne der Einheit der verschiedenen islamistischen Gruppierungen wie der „hohen“ Geistlichen (der politisch aktiven schiitischen Mullahs), der Funktionsträger und Funktionäre vollkommen zerrüttet.

Die Wiederdurchsetzung Ahmadinejads als Präsident mit Hilfe des Militärs (in Form der Revolutionsgardisten), von Schlägertruppen (bestehend aus Gesindel – einer Auswahl insbesondere aus den marginalisierten Gruppen am Rande der Megastadt Teheran), von Empfängern staatlicher und semistaatlicher Almosen in den ländlichen Gebieten und mit wohl kalkulierter Unterstützung der extremen fanatischen schiitischen Geistlichkeit veranschaulichte unmissverständlich, dass der Zerfall dieses Regimes durch nichts mehr aufzuhalten ist. Diese und ähnliche Erscheinungen zeigen, dass sich das Regime quasi selbst in Frage stellt und bekämpft.

Niemals in der Geschichte dieses Land sind die Mullahs so heftig aufeinander losgegangen. Niemals wurde der Islam in diesem Land so diskreditiert wie durch das islamische Regime. Die Mullahs vom höchsten Rang des Ajatollahs bis zum niedrigsten Rang des Theologieschülers (Talebeh) bekämpfen einander entsprechend ihrer Interessenlage und überschreiten dabei nicht nur jegliche Schranke der islamischen Moral, sondern jeden erdenklichen menschlichen Moralkodex. Es ist unheimlich, was diese so genannten Vertreter des Islams im Iran veranstalten. 

Unabhängig davon, wie die Protestbewegung im Iran weitergeht und was auf der internationalen Ebene geschieht, dürfen die Iranerinnen und Iraner stolz darauf sein, dass sie unter diesen enorm schwierigen Umständen so leidenschaftlich und triumphal ihre historische Verantwortung wahrgenommen haben, dass sie sich abermals so unmissverständlich vor der ganzen Welt von diesem Regime distanziert haben.

Nun tragen diejenigen Regierungen, die Iran als Wirtschaftspartner auf ihrer Liste an prominenter Stelle haben, ihrerseits gegenüber dieser Schreckensherrschaft die Verantwortung und historisch müssen sie nicht nur gegenüber den Menschen im Iran sondern vor der ganzen Welt die Frage beantworten: Warum konnte das islamische Regime Irans in dieser Welt so viel Unheil anrichten?

Jeder vernünftige Mensch fragt sich nun zu Recht, warum diejenigen, die gerne von Demokratie reden und sich damit schmücken, hier nicht im Sinne der Demokratie handeln. Warum weigern sie sich, diesen faschistoiden Gruppen, die die iranische Bevölkerung als Geisel in der Hand haben, in die Zange von Sanktionen zu nehmen? Warum empfangen sie die Vertreter dieser Schreckensherrschaft als Vertreter der iranischen Bevölkerung??

M.H. Allafi
18. März 2010


 

Das islamische Regime ist am Ende?

Die Geschichte wiederholt sich, abermals als Tragödie,
und die Opfer dieser Tragödie sind unschuldige Menschen,
die ihre elementare Rechte einfordern.
Zu den folgenden Zeilen aus unserem Buch
„Iran an der Schwelle zur Demokratie?“ aus dem Jahr 2003 ist
(immer noch) nichts hinzuzufügen.

 „Heute ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man wohl feststellen kann, dass das Gegenteil von der Begeisterung der Bevölkerung für die islamische Geistlichkeit und ihre „Republik“ des Jahres 1979 der Fall ist, und zwar nicht nur wegen der angedeuteten miserablen Zustände, sondern auch aufgrund von zwei entscheidenden historischen Tatsachen, die dieser Erscheinung zugrunde liegen.

A) Die Mehrheit der heutigen iranischen Bevölkerung (die jungen Menschen) hat weder für diese Republik gekämpft noch gestimmt und sie haben keinerlei emotionale Bindung an die Revolution von 1978/79. Hinzu kommt, dass diese Republik für die erheblichen Hindernisse auf dem Weg zur ihrer Lebensgestaltung, für die Unterbindung jeglichen Genusses ihrer verträumten Jugendzeit und der darauf folgenden Adoleszenz sorgte und sie wie die Frauen insgesamt auf Schritt und Tritt demütigt. Daher versteht es sich von selbst, dass die Jugend sich von dieser Republik abwendet.

B) Diejenigen, die seinerzeit freiwillig oder auch gezwungenermaßen, wegen fehlender Alternativen, für diese Republik gestimmt und auf eine Demokratisierung der Gesellschaft und die Verbesserung der politischen Situation wie auch ihrer Lebensverhältnisse gehofft haben, sind heute weitgehend nicht nur bitter enttäuscht, sondern sie klagen über die schwersten Jahre ihres Lebens in dieser Republik, die nie zu einer echten Republik geworden sei, und sie möchten so bald wie möglich die herrschenden Mullahs, die doch so offensichtlich in keiner Weise bereit sind, ihren Anspruch auf eine absolute Machtausübung aufzugeben, loswerden. Es ist heute in der persischsprachigen Presse, und zwar nicht nur der oppositionellen Presse, sondern auch in den vom Staat kontrollierten Medien, unter Bezug auf eine Meinungsumfrage die Rede davon, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sich für eine grundsätzliche Veränderung der jetzigen politischen Verhältnisse ausspricht. Mit anderen Worten: Mehr als 90 % der Wahlberechtigten in Iran wünschen die Beendigung des derzeitigen politischen Systems und damit das Ende der Herrschaft der Geistlichen.

Das ist die eine Seite der Medaille, die auf einer durch das Regime selbst geschaffenen Realität beruht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Regime die iranische Bevölkerung mit Morden, Massenhinrichtungen, Liquidierung der politischen Gegner und Andersdenkenden, der Steinigung von Frauen und weiteren mittelalterlichen „Strafmaßnahmen“ wie der Amputation von Körpergliedern, dem Auspeitschen oder auch der Hinrichtung von Menschen in der Öffentlichkeit und der Zuschaustellung der Leichname – gehängt an einen Kran – auf öffentlichen Plätzen, der Vergewaltigung junger Mädchen vor der Hinrichtung, insbesondere aus den Reihen der politisch Andersdenkenden, dem willkürlichen Eindringen in Privatwohnungen, der Verhaftung jeglicher Art, der Verfolgung und Ermordung politischer Gegner in aller Welt, der massiven Einmischung in die Privatangelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger quer durch alle Gesellschaftsschichten bis ins Schlafzimmer und vieles mehr die iranische Bevölkerung einzuschüchtern und psychisch wie moralisch zu zerstören versucht, um auf diese Weise ihre Herrschaft über sie zu festigen. Die andere Seite der Medaille ist, dass Iran durch eine falsche und aggressive Außenpolitik (von der antiamerikanischen und antiwestlichen Agitation bis hin zur Unterstützung terroristischer Gruppen), den Export der Revolution islamischen Typs in die Nachbarländer und die Stimulierung fanatischer islamistischer Kräfte in den islamischen Ländern usw. die Menschen in Iran nicht nur gedemütigt, sondern auch dafür gesorgt hat, dass jeder unbeteiligte Iraner in jedem Land, zum Beispiel in den USA oder den EU-Staaten, leicht diskriminiert wird, während die Angehörigen des Regimes selbst, die im Besitz von Diplomatenpässen sind, frei reisen dürfen und sogar ihre politischen Gegner in Europa ermorden konnten. Trotz all dieser unmenschlichen Machenschaften war und ist heute immer noch die iranische Bevölkerung bereit, zugunsten einer neuen freiheitlichen politischen Ordnung zu vergeben.

Mit anderen Worten hat die iranische Bevölkerung seit dem Ende des Krieges zwischen Iran und Irak im Jahr 1989 den Herrschenden nun schon mehr als zehn Jahre Zeit gelassen, um sich neu zu orientieren und das Land, das sie sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene in einen katastrophalen Zustand hineinkatapultiert haben, aus der Misere herausführen. Die Menschen haben sich tatsächlich mit dem Regime arrangiert, indem sie sich bereit gezeigt haben, über den Tod ihrer Lieben, die jahrzehntelangen Demütigungen und Schikanen durch das Regime, über ein Leben in Angst und Schrecken und Gesetzlosigkeit … hinwegzuschauen und sich im Interesse von aufgelockerten gesellschaftlichen Vorschriften und für eine bessere Zukunft versöhnlich mit den Herrschenden zu zeigen und haben dabei ihre Hoffnungen zunächst auf eine Regierung unter Rafsandschani gesetzt. Dieser hat seinerzeit den Eindruck erweckt, tatsächlich für eine gewisse Lockerung der strengen Vorschriften, etwa bezüglich der Auslandsreisen, des Erscheinungsbildes der Frauen in der Öffentlichkeit, der Pressefreiheit und einer gewissen Liberalisierung der Wirtschaft zu sorgen. Doch schon bald zeigten sich diese Maßnahmen lediglich als Kosmetika für das Gesicht des Regimes, besonders nach außen, denn zu jedem Moment und an jedem Ort waren die vorübergehend in ihre Lager zurückgepfiffenen Schlägertrupps, Kontrolltruppen und Revolutionsgardisten in der Lage, in den Straßen und an öffentlichen Orten aufzumarschieren und ihre willkürlichen Kontrollen der Menschen, die Verhaftungen und Verhöre wieder aufzunehmen. Man hat diese Konfliktsituation (insbesondere in Deutschland und in der EU im Rahmen des so genannten „kritischen Dialogs“) als Diskrepanz zwischen den Liberalen unter der Führung von Rafsandschani und den Konservativen unter der Führung von Khamenei interpretiert, allerdings ging die Mehrheit der iranischen Bevölkerung davon aus, dass beide nach dem gleichen Muster gestrickt seien. Als die Regierungszeit Rafsandschanis zu Ende ging, ohne eine nennenswerte Liberalisierung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse gebracht zu haben, stellte ein Berliner Gericht im Rahmen des berühmten Mykonos-Prozesses fest, dass der Präsident des islamistischen Regimes einer der Drahtzieher der Morde an drei iranischen kurdischen Politikern – sie nahmen damals als Gäste an einem internationalen sozialdemokratischen Kongress teil und wollten sich mit der Demokratischen Partei Kurdistan Iran zur Sozialdemokratie bekennen – war.

In diesem Zeitraum sind zugleich die Brüche zwischen verschiedenen islamistischen Gruppen tiefer geworden. Nicht nur Rafsandschani und seine Leute wurden durch die Hardliner als Liberale und als proamerikanisch beschimpft, sondern einige islamistische Gruppen, Amtsträger, politische Akteure und islamistische Intellektuelle haben die Liberalisierung der politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse ernster genommen als Rafsandschani, der seine ökonomischen Interessen als deutlich wichtiger bewertete als eine Liberalisierung der Gesellschaft. Aus dieser Gruppe ist trotz eingeschränkter Wahlmöglichkeiten zweimal der nächste Präsident der Republik hervorgegangen. Khatami als Liberaler und gemäßigter Politiker wurde nun zum Liebling, auf den die westlichen Länder, auf den Deutschland und die EU stark setzten. Doch trotz der Wahlerfolge der so genannten islamistischen Reformer und deren Erringen der überwiegenden Mehrheit im Parlament, wurde das Unterdrückungssystem des islamistischen Regimes auch nicht ansatzweise außer Kraft gesetzt, im Gegenteil haben die Morde an Politikern und Politikerinnen, Schriftstellern und Intellektuellen weiter zugenommen. Die Pressefreiheit wurde abermals eingeschränkt, viele Zeitungen und Zeitschriften, die in der Regierungszeit Rafsandschani herausgegeben werden konnten, wurden nun verboten. Unterdrückung, Haft und Mordanschläge galten dabei nicht nur den oppositionellen laizistischen Gruppen, sondern nun wurden auch islamistische Journalisten, Politiker und Geistliche willkürlich verhaftet und in Schauprozessen verurteilt, darunter mehrere Weggefährten Khatamis, aber auch ehemalige Freunde Rafsandschanis.

Die Mullahs haben so mehr als einmal gezeigt, dass sie zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen und der Rettung der Islamischen Republik als Ganzes bereit sind, selbst ihre politischen Freunde zu opfern.“

Mit Blick auf die Geschichte der islamischen Republik ist es richtig zu sagen, dass eine Wahl des Reformers Mussawi zum Präsidenten Irans wiederum nichts für die Menschen gebracht hätte, denn solange die Machtfrage zwischen den beiden starken mafiösen Machtgebilden, Chamenei und seiner Verbündeten einerseits und Rafsanjani mit seinen Verbündeten andererseits nicht entschieden ist, bleibt die Bevölkerung nichts als ein Spielball zwischen diesen Lagern, denn die islamische Republik Iran ist kein demokratischer, sondern ein  theokratischer Staat, dessen Struktur erhebliche Defizite im Hinblick auf demokratische Standards aufweist. Bereits 2003 war festzustellen:

 „Die politische Situation scheint so zu sein, dass entweder die Republik mit jedem Mittel zu verteidigen ist, was der Position der Hardliner entspricht, oder dass man sich grundsätzlich von ihr verabschiedet, was die Position der Mehrheit der Bevölkerung und der politischen Akteure ist. Denn eine Reform dieser Republik unter diesen politischen Umständen und Machtverhältnissen scheint nicht möglich – was das historische Dilemma der Islamischen Republik ist. Sie ist nicht in der Lage, den Problemen der Iraner sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Herr zu werden. Dies erfordert die Sprengung der derzeitigen politischen Strukturen und einen konsequenten Neuanfang, in dem notwendigerweise die anderen politischen Akteure Oberwasser gewinnen. Und damit wäre auch die Zeit vorbei, in der die jungen Menschen, die Frauen, die iranische Bevölkerung insgesamt für das „kleinere Übel“ gestimmt haben, denn sie haben festgestellt, dass das kleinere Übel dermaßen in das große Übel integriert ist, dass jede Bewegungsfreiheit unter den Angehörigen des kleineren Übels aus in dem Staat integrierten Islamisten unmöglich ist. Und der theokratische Despotismus ist weit davon entfernt, dem Willen der Bevölkerung, die ihnen mehr als ein Jahrzehnt Zeit und Gelegenheit für eine Rückkehr zur Menschlichkeit gelassen hat, für Demokratie, Freiheit und ein Leben in Sicherheit nachzukommen oder die nationalen und internationalen politischen Regeln zu respektieren.

„Die politischen und kulturellen Zustände in Iran lassen darauf schließen, dass die Islamische Republik schon längst hohl geworden ist.“

Das wissen die Reformer besser als alle anderen!

Wir wünschen den Menschen in Iran in ihrem Widerstand gegen die Unterdrückung und für die Freiheit und Menschrechte viel Erfolg! Sie erfahren auf ihrem Wege eine beachtliche Solidarität und Unterstützung in der ganzen Welt. Und wir fordern die Reformer auf, das Vertrauen, das die Menschen in sie setzen, dieses Mal wahrzunehmen und sie nicht wieder wie in der Vergangenheit im Stich zu lassen. Auch ist die internationale Gemeinschaft dringend aufgefordert, die Sanktionen gegen dieses Regime auszuweiten und sie ernst zu nehmen. Wer Interesse am Frieden im Nahen und Mittleren Osten hat, muss den Widerstand der Menschen in Iran ernst nehmen, denn sie haben wiederholt gezeigt, dass sie für einen friedlichen, demokratischen Iran sind und somit die aggressive Außen- und Innenpolitik des islamischen Regimes ihren Auffassungen entgegen steht.  

 M.H. Allafi
Sabine Allafi
26. Juni 2009


Was ist los in der Schweiz?

Ein trauriger Tag für die Schweizer Demokraten?

 

57% der Schweizer haben wieder einmal gezeigt, wie das Mittelalter ausgesehen hat, indem sie politisch über die religiöse (Un)Freiheit „der anderen“ entschieden haben. Sie haben somit auch gezeigt, dass sie doch noch nicht ganz in der modernen Zivilisation angekommen sind. Ein trauriger Tag für die Schweizer Demokraten, ich trauere persönlich mit ihnen.

Die Schweizer sollten eigentlich keine Angst vor Minaretten haben, schon gar nicht im eigenen Land. Hätten sie doch lieber Angst vor den Schweizer Waffenlieferanten gehabt, deren Waffen direkt oder indirekt auch in die Hände islamistischer Extremisten gelangen. Es wäre besser, man hätte anstatt Angst vor Minaretten Angst vor den illegalen Geldern (aus Steuerhinterziehung und Geldwäsche) auf Schweizer Depots, aus dem Vermögen auch von Scheichs und Prinzen aus dem islamischen Raum, wo sie durch Raub am Volkseigentum, z. B. Ölressourcen, und die damit verbundene Verelendung der Menschen den Boden für islamistische Extremisten fruchtbar machen. Die Schweizer sollten schließlich lieber Angst haben vor diktatorischen Regimes aus dem islamischen Raum wie etwa Iran (mit dem Regime pflegt man sehr gute Beziehungen) oder Libyen, dessen Führer Ghaddafi die Auflösung der Schweiz forderte, weil sein Sohn von den Schweizer Behörden verhaftet wurde – ansonsten hatte man sich gut verstanden…

Man sollte lieber Angst haben vor Leuten wie Bin Laden und seinem Kapital, anstatt vor Minaretten. Weiß Gott und vielleicht manche Banker, wie viel Geld von solchen Männern im Umlauf ist. Es sind letztendlich jene Gelder, die die Türme des World Trade Center zum Einsturz brachten und Tausende unschuldige Menschen töteten. Die Minarette wären an sich etwas Friedliches, im Schatten von Minaretten zu sitzen und verletzte Seelen zu heilen, wäre  wirklich besser, als im Lager der Taliban ausgebildet zu werden und mit hochmodernen Waffen in den Kampf zu ziehen.

Also, Hasspredigen hat nichts Gutes an sich, und ein Europa, das sich von der Judentragödie noch immer nicht ganz erholt hat, sollte sich nicht durch Extremisten auf eine weitere Tragödie zusteuern lassen. Was die Schweizer Extremisten unter dem Vorwand der Demokratie angezettelt haben, ist nicht anderes als Volksverhetzung, denn die religiöse Freiheit stellt man nicht zur Wahl, und das auch noch für eine Minderheit, die bekanntlich unter einer weit verbreiteten Islamphobie leidet. Diese politische Volksabstimmung über die Religion ist auch im weitesten Sinne des Wortes nicht mit dem Prinzip des Säkularismus zu vereinbaren, zu dem sich auch die Schweiz bekennt.

Die Schweizer sind gerade ein Stück auf den falschen Weg entgleist, und die Weltgemein­schaft sollte sie zurückholen, damit die religiöse Freiheit in der Welt nicht gefährdet wird.

M.H. Allafi


Von diesem Amerika lernen

Barack Hossein Obama ist zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Insofern Gott sei Dank, dass er gewählt worden ist und nicht ein heißer und kalter Krieger wie McCain, der allerdings seine Niederlage fair eingestand und mehrfach auch (zumindest öffentlich, und das zählt) gezeigt hat, dass er im Gegensatz zu vielen seiner „weißen“ Brüder und Schwestern aus dem Westen kein Rassist ist.

Traurigerweise haben viele Journalisten und andere „Prominente“ aus dem Westen versucht und versuchen immer noch, diese Wahl in den USA rassistisch (sowohl gegen als auch für Barack Hossein Obama) zu interpretieren. Das wundert mich nicht, denn den Rassismus sitzt tief in den westlichen Gesellschaften, er kennt keine ideologischen Grenzen, wenn auch die Ideologien den Rassismus dämpfen oder brutal hochkommen lassen können.

Ein amerikanischer Präsident kann nur mit Blick auf die amerikanischen Interessen handeln, und das wird im besten Falle ein Konsens sein, der auch nichts anderes ist als das Resultat eines erbitterten politischen und ökonomischen Kampfes zwischen verschiedenen Fraktionen und Interessengruppen. Dennoch ist die Wahl von Barack Hossein Obama – unabhängig von den politischen und wirtschaftlichen Folgen – ein Sieg gegen die Arroganz der europäischen Rassisten sowohl in positivem Sinne (pro Obama) als auch in negativem Sinn (contra Obama). Diese Aussage trifft für diejenigen zu, die sich auf die Schwarz-Weiß-Kategorie des menschlichen Aussehens beschränken. Denn da fängt der Rassismus an. Und sie sind nicht wenige. Wenn ein Europäer, insbesondere ein Deutscher und in Deutschland lebender und geborener Mensch (dies beruht auf meinen Erfahrungen in Deutschland), mit einem Menschen, der eine andere Hautfarbe hat, diskutiert oder verkehrt bzw. auf irgendeine Weise mit ihm in Kontakt kommt und dabei nicht an die Hautfarbe des anderen denkt, dann hat er keine rassistische Einstellung in sich und ist ein freier Mensch. Solange er im Kontakt mit Menschen anderer Hautfarbe immer noch das Gefühl hat, sein Gegenüber sei in irgendeiner Weise anders als er selbst und das habe Auswirkungen auf dessen Fühlen, Denken und Handeln, so ist er zumindest rassistisch vorbelastet. Merkwürdigerweise wird diese eigenartige Einstellung den Menschen durch eine Art Automatismus  vermittelt.

Dieser jetzt hoffentlich bald zu Ende gehende Rassismus, insbesondere in den USA, ist ein europäischer Rassismus, genauer gesagt, ist er ein westlicher und in engerem Sinne ein angelsächsischer Rassismus, der auf dem europäischen Kolonialismus basiert, es ist also kein indianischer, afrikanischer, asiatischer oder orientalischer Rassismus. Die Indianer (die eigentlichen Bewohner Amerikas) und die Afrikaner sind an erster Stelle Opfer dieses europäischen Rassismus geworden, dessen Brutalität in der Geschichte der Menschheit Seinesgleichen sucht. Er erstreckte sich von der beispiellosen Versklavung der Afrikaner bis zu den deutschern „nationalsozialistischen“ Verbrechen. In milden Formen aber ebenso menschenverachtend haben in anderen Teilen der Erde wie in Indien, Indonesien oder Nahost ebenfalls europäischen Rassisten gewütet. Das sind historische Tatsachen, die man der europäischen Kultur in Rechnung stellen kann. Die Botschaft unserer Zeit ist es, diese unmenschlichen Akte in der Geschichte der Menschheit ein für allemal zu überwinden.

Die Weiterentwicklung der Weltzivilisation mit allen ihren Macken und Vorteilen ist auch dieser europäischen Kultur zuzurechnen. Die europäischen Eliten haben sich viele Errungenschaften der früheren Phasen anderer Gesellschaften wie der westlich-islamischen und östlich-indischen bzw. -chinesischen erfolgreich angeeignet und weiterentwickelt. Das ist die eine Seite dieser Entwicklung, die von europäischen Rassisten gerne auf die griechische Antike reduziert wird, die andere Seite ist der rücksichtslose Raub der Rohstoffe aus Afrika, Amerika und Asien, insbesondere Indien, die durch Mord und Totschlag und der Unterwerfung der Menschen in diesen Regionen realisiert wurde. Genau hier wurde in destruktiver Weise in die Entwicklung vieler Länder eingegriffen, so z.B. durch die Zerstörung der weit entwickelten Textilindustrie in Indien durch die Engländer, den Opium-Krieg in China und den Raub des Erdöls aus Nahost, aber auch durch Aneignung der Ideen und Produktionsweisen. Wenn der Westen Lizenzen an andere Länder zahlen müsste, so reichte die Palette von Spagetti über Kartoffeln bis zu mathematischen Formeln und medizinischen Rezepturen …

Bislang konnten die europäischen Eliten ihre gehobene Position durch den Raub und Mord an anderen Völkern dieser Erde erringen. Eines haben sie dabei vergessen, dass die Menschen überall gleich sind, und genau diese Menschen haben die europäische Kultur entzaubert und sind dabei, sie durch die weitere Entwicklung für immer in Frage zu stellen, was die Rassisten in Europa immer noch nicht wahr haben wollen. Sie wollen nicht wahr haben, dass die Welt sich doch geändert hat, auch vor ihren Haustüren, und dass zu dieser Veränderung die Europäer gewiss einen beachtlichen Beitrag geleistet haben, ohne es zu wissen. Es kommt nun die Zeit, da sie von ihrer gehobenen Stellung in der Welt endgültig Abschied nehmen und einer von vielen sein müssen, nicht mehr der Überlegene sind. Daher fällt es den Rassisten schwer zu akzeptieren, dass sie keine besseren Menschen waren, im Gegenteil zeigt ihre Geschichte den brutalsten und primitivsten Teil der menschlichen Geschichte.

Es gibt keinen Grund, stolz darauf zu sein, dass man mit Gabel und Messer isst, aber die anderen Menschen mit Waffen beschießt oder mit massenmörderischen Bomben bewirft. Die europäischen Rassisten müssen akzeptieren, auch wenn es für sie eine bittere Pille ist, dass die Menschen, insbesondere die jungen Menschen, Gemeinsamkeiten suchen, dies haben sie in den USA in erstaunlicher Weise mit der Wahl von Barack Hossein Obama eindeutig gezeigt. Die verbitterten alten rassistischen „Kämpfer“ sollten sich im Zaum halten und dieses Verhalten nicht als naive Euphorie und Ausdruck irrationaler Erwartungen abtun. Die menschliche Begeisterungsfähigkeit ist an und für sich positiv, unabhängig davon, ob ihnen Obama oder irgendein anderer Mensch alle ihre Sorgen oder einen Teil davon wird abnehmen können oder nicht. Der Mensch scheint geneigt zu sein, Harmonie zu suchen, insbesondere Angehörige unterschiedlicher Kulturen, die auf irgendeine Weise an einem Ort zusammengekommen sind. Sie wollen nicht mehr von den Eliten gegeneinander aufgehetzt werden. Z.B. haben die Menschen die Nase voll, dass man auf Kosten der Ausländer Wahlkampf betreibt, was leider viele Politiker in den europäischen Ländern tun. Also heißt die Devise, von diesem Amerika lernen. Ich hoffe es wird den amerikanischen Eliten gelingen, diesen Auftrag der jungen Menschen auf den Weg zu bringen und so einen neuen Horizont zur künftigen Welt zu öffnen. Sollten sie in dieser Frage in dieser Zeit versagen, bedeutet dies nicht, dass diese wichtige Forderung unserer Zeit, nämlich das Zusammenwachsen der Welteile, die Harmonie zwischen verschiedenen Kulturen, ein würdiges Leben für alle Menschen unabhängig von Kultur und Aussehen, ein für allemal ad acta gelegt würde.

M. H. Allafi 14.11.2008


Im Moment gibt es nichts Neues...

... außer dass die Finanzkrise noch tobt, die Banken verrückt spielen, wenige Leute sich einen Mercedes leisten können, General Motors kurz vor der Pleite steht, George Bush bald das Weiße Haus verlassen muss, und, natürlich, da ist noch das Buch von Nassim Nicholas Taleb, der in der FAZ eine Revolution angekündigt, ha.. ha.. hat.


Und das gab es in der Vergangenheit Neues...

Es gibt wirklich nichts Neues, außer dass Ahmadinejad die Atombombe will, Obama Präsident der Vereinigen Staaten von Amerika werden möchte, Russen und Georgier sich gegenseitig töten, es geht um Öl und Gas, und sie nennen den Schutz der Bevölkerung oder der territorialen Integrität. Dazu kommt, dass die Russen und der so genannte Westen (EU und USA) einander Völkerrechtsverletzungen vorwerfen und beide Seiten daraus nicht lernen, das Völkerrecht nicht zu verletzen.
Es gibt wirklich nichts Neues, außer die Menschrechte weltweit im Sekundentakt verletzt werden, und das Europäische Parlament fordert hin und wieder die Achtung der Menschenrechte in irgendeinem Land, in dem die Geschäfte nicht so gut laufen. Es ist wirklich nicht viel los, außer dass die Medien und die Medienmacher sich um reißerische Themen balgen und sich dafür sogar in manchen Orten der Welt in Lebensgefahr bringen, und sich sowieso gegenseitig die Themen und die Ideen klauen.
Es gibt nichts Neues, außer dass die Korrupten weltweit nach dem Motto "Korrupten aller Länder vereinigt euch" mit ihrer ungesättigten Gier immer mehr Menschen in Not und Elend stürzen, während sie sich Präsidenten, Minister, Topmanager, Leistungsträger, Wissenschaftler und viele andere schöne seriösen Titel mehr geben.
Es gibt wirklich nichts Neues, außer dass die amerikanischen Banken reihenweise Pleite gehen, die Börsianer, Markteilnehmer genannt, nervös werden und alles auf den Markt schmeißen, die Medien irgendwie den Weltuntergang vermitteln, weil Lehman Brothers Pleite gegangen ist, als hätten Institutionen wie diese jemals die sozialen Belange der Menschen gejuckt.
Es gibt nichts Neues, außer dass irgendwelche Kriminellen, vereinfacht oder aus Hilfs- und Ahnungslosigkeit Al-Khaida  genannt, einige Menschen in Pakistan in die Luft jagen, wie in Madrid und London.
Es gibt nichts Neues, außer dass der ehemalige Deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt im Alter von neunzig Jahren ein neues Buch geschrieben hat, in dem er den deutschen Eliten hilfreiche Ratschläger erteilt.
Es gibt nichts Neues, außer dass ein deutscher Soldat in Afghanistan umgekommen ist ("gefallen"?), und die Medien und die Verantwortlichen verhalten sich wieder so sonderbar, als seien die deutschen Soldaten zur Geburtstagsfeier von Mullah Omar, dem Talibanführer und ehemaligen Verbündeten des Westens eingeladen worden.


© M. und S. Allafi
Zuletzt geändert: 13/03/11


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